Kompetenzen und Weiterentwicklung in der Internen Revision
Die Interne Revision steht vor der Herausforderung, mit der rasanten Entwicklung von Methoden, Risiken, Technologien und regulatorischen Anforderungen Schritt zu halten. Wer hier stehen bleibt, fällt zurück. Kontinuierliche Weiterentwicklung ist daher kein „Nice-to-have“ für Interne Revisorinnen und Revisoren, sondern ein zentraler Bestandteil professioneller Revisionsarbeit.
Bedeutung von Kompetenz nach GIAS
Die Global Internal Audit Standards (GIAS) regeln die weltweite berufliche Praxis der Internen Revision und dienen als Grundlage für die Bewertung und Verbesserung der Qualität der Internen Revision. Demnach ist eine Interne Revision am wirksamsten, wenn sie von kompetenten Internen Revisorinnen und Revisoren unter Einhaltung der GIAS durchgeführt wird.
Für die Mitarbeitenden der Internen Revision bedeutet Kompetenz die Fähigkeit, risikobasierte, objektive Prüfungs- und Beratungsleistungen zu erbringen. Dazu gehören auch das Wissen und Fähigkeiten, die für die Zusammenarbeit mit Überwachungsorgan und Geschäftsleitung erforderlich sind, um eine wirksame und effiziente Interne Revision einzurichten und zu beaufsichtigen. Kompetente Revisorinnen und Revisoren tragen dazu bei, Werte zu schaffen, zu schützen und langfristig zu erhalten und so die Zielsetzung der Internen Revision zu erfüllen.
Anforderungen an Kompetenzen und Verantwortung der Revisionsleitung
Die Standards zum Prinzip 3 „Zeige Kompetenz“ betonen die Verantwortung aller Mitarbeitenden der Internen Revision, die für ihre beruflichen Aufgaben erforderlichen Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln und anzuwenden. Gleichzeitig muss die Revisionsleitung sicherstellen, dass die Interne Revision insgesamt über die erforderlichen Kompetenzen verfügt, um die in der Geschäftsordnung beschriebenen Dienstleistungen zu erbringen, oder dass diese Kompetenzen aufgebaut werden.
Moderne Revisionsarbeit erfordert dabei ein breites Kompetenzspektrum:
- Fachwissen: Kenntnisse zu Governance-, Risikomanagement- und Kontrollprozessen, zu operativen Geschäftsfunktionen (z. B. Compliance, Finanzmanagement und IT) sowie zu neuen Gesetzen und Regulierungen
- Prüfungsmethodik und IT: Revisionsgrundsätze (z. B. GIAS), aber auch Data Analytics, KI-Prüfungstools und agile Revision
- Soft Skills: Kommunikation, Konfliktmanagement und Präsentationstechniken, um u. a. Prüfungsergebnisse wirksam vermitteln zu können
Kompetenzentwicklung in der Internen Revision: Trends, Risiken und Informationsquellen
Um die Qualität der internen Revisionsleistungen zu verbessern, sollen die Internen Revisorinnen und Revisoren nach Möglichkeiten suchen, sich über neue Themen, künftige Risiken, Trends und Veränderungen zu informieren, die künftig für die eigene Organisation und den Berufsstand der Internen Revision relevant sein können.
Eine wichtige Informationsquelle hierfür ist die Studie „Risk in Focus“, die seit 2017 jährlich vom Europäischen Dachverband der Revisionsinstitute (ECIIA) gemeinsam mit einer Reihe nationaler Revisionsinstitute in Europa herausgegeben wird, darunter auch das Deutsche Institut für Interne Revision (DIIR). Diese Untersuchung identifiziert die zentralen Herausforderungen und Risikoschwerpunkte, denen sich Organisationen und ihre Revisionen in Europa gegenübersehen.
Interne Revisorinnen und Revisoren können ihre eigenen Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten selbst am besten einschätzen. Dabei soll die Revisionsleitung die berufliche Entwicklung der Internen Revisorinnen und Revisoren unterstützen. Die Revisionsleitung kann Mindesterwartungen für die berufliche Entwicklung festlegen und soll das Streben nach beruflichen Qualifikationen fördern.
Instrumente zur Kompetenzbewertung: Internal Auditing Competency Framework (IIA)
Ein hilfreiches Instrument zur Strukturierung und Evaluierung der für die Interne Revision erforderlichen Kompetenzen bietet das Internal Auditing Competency Framework, herausgegeben vom Institute of Internal Auditors (IIA). Die ergänzenden Vorlagen zur Beurteilung und Dokumentation des Managements und der Kompetenzentwicklung unterstützen die Revisionsleitung dabei, die Einhaltung zahlreicher Anforderungen der GIAS nachzuweisen. Dabei ist das Framework flexibel gestaltet, um die Prioritäten jeder Organisation beim gebotenen Mix aus Kompetenzen und Kompetenzniveaus zu berücksichtigen.
Berufsqualifikationen und CPE-Anforderungen
Um Kompetenzen gezielt zu entwickeln und nachzuweisen, können Interne Revisorinnen und Revisoren geeignete Berufsqualifikationen erwerben, z. B. den Certified Internal Auditor® (CIA), den Certified Information Systems Auditor® (CISA) oder andere Zertifizierungen und Bescheinigungen. Für viele dieser beruflichen Qualifikationen ist der Nachweis einer Mindestanzahl an Stunden kontinuierlicher beruflicher Weiterbildung (Continuing Professional Education, CPE) innerhalb eines bestimmten Zeitraums, z. B. jährlich, erforderlich. So sind beispielsweise von einem praktizierenden CIA jährlich 40 CPE-Stunden nachzuweisen, um die CIA-Qualifikation aufrechtzuerhalten. Darin enthalten sind zwei CPE-Stunden zu Ethikschulungen. Diese Anforderung ist zwar spezifisch an die CIA-Zertifizierung gebunden, grundsätzlich sollten sich jedoch alle Internen Revisorinnen und Revisoren regelmäßig in ethischen Fragestellungen weiterbilden oder entsprechende Schulungen absolvieren.
Formen der beruflichen Weiterbildung
Neben den gängigen Berufsqualifikationen und formalen Fortbildungsprogrammen kann die kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung durch eine Vielzahl weiterer Aktivitäten erfolgen, u. a.:
- Selbststudium

- Training am Arbeitsplatz bzw. Gelegenheiten zum Erlernen neuer Fertigkeiten im Rahmen spezieller Aufgaben (z. B. Rotationsprogramme)
- Mentoring und Feedback durch Führungskräfte
- Verfassen, Übersetzen oder Mitwirken an Fachveröffentlichungen
- Halten von Vorträgen
- Ehrenamtliche Tätigkeit als Fachexperte, z. B. in Gremien bzw. Arbeitskreisen des DIIR
- Durchführung von externen Quality Assessments
Kontinuierliche Weiterentwicklung als Erfolgsfaktor
Kontinuierliche Weiterentwicklung ist für die Interne Revision essenziell, um relevant, wirksam und zukunftsfähig zu bleiben. Sie hilft dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen, moderne Prüfungsansätze einzusetzen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und als strategischer Partner echten Mehrwert zu schaffen.
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