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15.09.2022

Mitarbeiter vermisst! Mittelstandskonferenz von ETL und ZEIT diskutiert Lösungsstrategien zur Fachkräftegewinnung in Zeiten des Umbruchs

Der deutschen Wirtschaft gehen die Mitarbeiter aus. Eine Entwicklung, vor der Experten bereits vor Jahren warnten und deren Botschaft zu oft ungehört verhallte, ist nun nicht mehr zu übersehen und trifft insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ins Mark. Angesichts dieser gewaltigen Herausforderung luden ETL und der ZEIT-Verlag am 12. September 2022 ein exklusives Teilnehmerfeld aus Wirtschaft und Wissenschaft in den Digitalcampus Zollverein in Essen ein, um „gemeinsam über Lösungswege, Best-Practice-Beispiele und einen effizienten Wissenstransfer zu diskutieren“, wie Marc Müller, Vorstand ETL AG, in seiner Begrüßung betonte. In einer denkwürdigen Debatte zeigte das hochkarätig besetzte Panel Strategien auf, wie sich kleine und mittlere Unternehmen in Zeiten des Umbruchs (potenziellen) Mitarbeitern als attraktiver Arbeitgeber präsentieren können.

Auch ETL WP-Vorstand Christoph Tönsgerlemann brachte auf dem Podium seine Erfahrungen als enger Sparringspartner kleiner und mittlerer Unternehmen und Vordenker ihres wirtschaftlichen Erfolges ein. Für ihn komme der Digitalisierung eine Schlüsselrolle bei der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern zu. Hier bedürfe es allerdings einen besonderen strategischen Weitblick auf Seiten der Unternehmen, um die Angestellten an den neuen technologischen Möglichkeiten partizipieren zu lassen, also „Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten der Angestellten auszubauen“. Zudem riet er Unternehmen dazu, ihre regelmäßige Präsenz an Schulen und anderen Ausbildungsstätten auszubauen, um junge Menschen für sich zu begeistern.

Die Zeit drängt, denn die Fachkräftelücke liegt schon jetzt bei gigantischen 4,2 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr, wie Prof. Dr. Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB Nürnberg eruierte. Im Augenblick befinde sich die deutsche Wirtschaft an einem gefährlichen Kipppunkt, bei dem die vier großen Trends der Dekarbonisierung, Digitalisierung, Demografie und (De-)Globalisierung „den Rahmen bilden, in dem sich der Mittelstand, Rückgrat der deutschen Wirtschaft, nun in besonderer Weise bewähren muss“, betonte Prof. Michael Hüther, Direktor des renommierten Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), den Ernst der Lage.
Mitarbeiter fehlen längst nicht nur branchen- sondern auch qualifikationsübergreifend. Das zeige der ETL Mittelstandskompass 2022, eine exklusive Studie, die Deutschlands größte Steuerberatungsgruppe ETL in Kooperation mit dem IW Köln in diesem Jahr zum zweiten Mal herausgegeben hat und die als Diskussionsgrundlage des Abends fungierte. Allerdings haben zahlreiche KMU bereits erfolgversprechende Lösungsstrategien zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern entwickelt, schilderte der Top-Ökonom Hüther mit Verweis auf die Studie.

Für Enzo Weber liegt ein Schlüssel in der Arbeitszeitflexibilisierung. „Die Generation Z will nicht weniger arbeiten, wie es oft behauptet wird. Aber sie möchte flexibler, sinnvoller, besser arbeiten. Darauf müssen sich Unternehmen einstellen und entsprechende individuelle Modelle anbieten.“ Individualität plus Souveränität sichere Zufriedenheit auf der Mitarbeiterseite, auf diese Formel brachte es Weber in der Paneldiskussion.

Ein Eindruck, den Sarna Röser aus ihrer eigenen praktischen Erfahrung bestätigen konnte. Die Bundesvorsitzende von Die Jungen Unternehmer und Nachfolgerin eines in dritter Generation geführten Familienunternehmens plädierte dafür, inländische Potenziale zu heben. Hier sei insbesondere bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Ausbildung junger Talente und der Weiterbeschäftigung älterer Generationen viel Steigerungspotenzial. „Unser Motto lautet Mittelstand statt Ruhestand, weil wir wissen, was wir an den Erfahrungen unserer älteren Mitarbeiter haben“, so die Jungunternehmerin. Ein weiterer Schwerpunkt müsse auf dem Employer Branding liegen. Die Geschichte des eigenen Unternehmens zu kommunizieren und die jahrzehntelang gewachsene eigene Identität und Nähe zu den Angestellten zu nutzen sei unumgänglich.

Ohne Zuwanderung, da war sich das Teilnehmerfeld einig, wird die Fachkräftelücke allerdings nicht geschlossen werden. Wie es möglich ist, junge Menschen für eher unbekannte Berufe zu begeistern und dabei europäische Erfahrungen zusammenzuführen und weiterzuentwickeln, schilderte Janice Schmidt-Altmeyer, Leiterin der Europavertretung der Bundesagentur für Arbeit in Brüssel.

Die exklusive Abendveranstaltung im Digitalcampus Zollverein wurde gemeinsam von ETL und dem Zeit-Verlag im Rahmen des „ZEIT für Unternehmer“-Magazins organisiert. „Zeit für Unternehmer“ erscheint viermal im Jahr und wird rund 80.000 Entscheiderinnen und Entscheidern zugestellt. Konzipiert und produziert wird das Heft in der ZEIT-Wirtschaftsredaktion.

Der ETL Mittelstandskompass 2022 steht hier kostenlos und in voller Länge zum Download bereit:
https://www.etl.de/mittelstandskompass-2022/

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