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03.06.2022

„Der zunehmenden Digitalisierung unserer Mandanten können wir nur mit stärkerer Digitalisierung unserer Prüfung begegnen“

Interview mit ETL Wirtschaftsprüferin Tanja Grimme

Die Zukunft der Wirtschaftsprüfung aktiv mitgestalten und dabei kleinen und mittelständischen Praxen Gehör verschaffen – dafür steht ETL Wirtschaftsprüferin Tanja Grimme mit ihrer Kandidatur zum Beirat der Wirtschaftsprüferkammer. Bei der diesjährigen Wahl am 5. Juli steht sie mit insgesamt 44 anderen Wirtschaftsprüfer*innen gemeinsam auf der Dörschell-Liste, um für die Vielseitigkeit des Berufs der Wirtschaftsprüfer*innen und gut ausgebildeten Nachwuchs einzustehen. Welche konkreten Änderungen Tanja Grimme als potentielles Beiratsmitglied anstrebt und wie sie die Zukunft des Berufsstandes sichern möchte, skizziert die Wirtschaftsprüferin in diesem Interview.

Sie sagen, dass die aktuellen Rahmenbedingungen den Berufsstand vor große Herausforderungen stellen. Wie sieht denn die derzeitige Lage in der Wirtschaftsprüfung aus und welche Hürden gilt es zu bewältigen?
Die technologie- und pandemiegetriebene Notwendigkeit der digitalen Transformation sowie geänderte rechtliche Rahmenbedingungen stellen unsere Branche vor die Frage, wie Jahresabschlussprüfungen auch künftig qualitativ hochwertig und effizient abgewickelt werden können. Mit Anwendung der ISA-Prüfungsstandards ab 2023 (für PIE) beziehungsweise ab 2024 (für NON-PIE) wird die IT-Prüfung noch stärker in die Abschlussprüfung integriert werden müssen. Durch diese Verflechtung wird die Weiterentwicklung unserer Prüfungsmethodik unter Berücksichtigung von Datenanalysen aus meiner Sicht eine der wichtigen Herausforderungen. Der zunehmenden Digitalisierung unserer Mandanten können wir nur mit einer stärkeren Digitalisierung unserer Prüfung begegnen.

Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist es Ihnen ein besonderes Anliegen, vor allem kleinen und mittelständischen Praxen eine Stimme zu geben. Warum setzen Sie sich insbesondere für diese Praxen ein?
Ich sehe, dass gerade in den kleineren und mittelständischen Wirtschaftsprüfungspraxen die digitale Transformation häufig noch nicht so weit vorangeschritten ist. Knappe personelle Ressourcen und deren Allokation im Spannungsfeld von ex- und internen Aufgaben lassen grundlegende und damit zeitintensive Eigenentwicklungen in der Prüfungsmethodik meist nicht zu. Sie sind häufig auf externe Entwicklungen angewiesen. Mir ist es daher ein besonderes Anliegen, unseren Berufsstand auf seinem Weg in die digitale Transformation zu unterstützen.

Deshalb stehen Sie als Kandidatin auf der Dörschell-Liste und unterstützen unter anderem das Ziel, die Ausbildung des Nachwuchses zu fördern. Welche Defizite und Herausforderungen sehen Sie hier aktuell?
Wie viele andere Branchen nehmen auch wir einen akuten Fachkräftemangel wahr. Daher ist es eine existenzielle Aufgabe unseres Berufsstandes in den nächsten Jahren, die Attraktivität unseres Berufs bereits bei den Studierenden deutlich zu machen. Viele denken, dass wir in unserem Job nur „Haken setzen“. Dabei ist der Beruf der Wirtschaftsprüfer*in sicherlich einer der interessantesten und vielfältigsten Berufe. Wir sind nicht nur Prüfer, sondern auch als Sachverständiger, Treuhänder oder Berater für unsere Mandanten tätig und lernen die verschiedensten Branchen kennen. Eine Aufgabenvielfalt, die es in wenigen anderen Berufen gibt. Wenn wir es schaffen, die Neugier und das Interesse der Studierenden während ihres Studiums für unseren Berufsstand zu wecken, sei es über duale Studiengänge, Werkstudententätigkeiten oder Berufspraktika, können wir mit dem tradierten Vorurteil über unseren Berufsstand aufräumen und unseren Beruf attraktiver machen.

An welchen Punkten möchten Sie ansetzen, um die Situation der Nachwuchsgewinnung und –qualifizierung zu verbessern?
Die hohen Anforderungen der Wirtschaftsprüfung und der lange Ausbildungsweg sind oft zitierte Argumente, die gegen einen Berufseinstieg in unsere Branche angeführt werden. Die Einführung des modularen Wirtschaftsprüferexamens hat geholfen, die Intensität der Examensvorbereitung über die zeitliche Streckung zu reduzieren, aber verkürzt noch nicht den Ausbildungsweg. Das kann über die geschaffenen Studiengänge nach § 8a und § 13b WPO erreicht werden, weil hierüber Teile des Berufsexamens in das Studium vorverlagert werden und damit automatisch eine Verkürzung des Berufsexamens einhergeht. Diese Möglichkeiten haben sich noch nicht bei allen Studierenden herumgesprochen und sollten deswegen weiter publik gemacht werden.
Daneben können auch konkurrenzfähige Arbeitsmodelle, wie flexible Arbeitszeiten und Möglichkeiten zum Home-Office, die Attraktivität des Berufstandes steigern. Auch hierfür ist die digitale Transformation der Prüfungsmethodik eine weitere Unterstützung.

Die Wahl zum Beirat der Wirtschaftsprüferkammer ist am 5. Juli. Warum sollen Mitglieder der Wirtschaftsprüferkammer ihre 45 Stimmen an Sie beziehungsweise an die Dörschell-Liste geben?
Unser Berufsstand braucht eine starke und nach außen geschlossen auftretende Wirtschaftsprüferkammer. Der Austausch unterschiedlicher Meinungen und das Ringen um den richtigen Weg sind wichtig. Kompromisse sollten aber möglichst von allen mitgetragen werden, denn die einheitliche Stimme der Wirtschaftsprüferkammer ist die Voraussetzung für eine wirkungsvolle Vertretung unserer Interessen. Für diese gemeinsame starke Stimme eines geeinten Berufsstandes steht die Dörschell Liste.
Jede Wirtschaftsprüferin/jeder Wirtschaftsprüfer hat 45 Stimmen. Deshalb verteilen Sie die Stimmen am besten wie folgt:
3 Stimmen für Grimme und die weiteren 42 Stimmen für andere Listenmitglieder (1 bis 3 Stimmen pro weiterem Listenmitglied)

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